Ausbildung in Deutschland: Warum manche Regionen deutlich stärker ausbilden als andere.

Neue Daten zeigen große regionale Unterschiede in der dualen Ausbildung. Während viele Regionen im Süden und Westen hohe Ausbildungsquoten erreichen, liegen große Metropolen wie Frankfurt am Main, München oder Berlin deutlich niedriger. Das hat weniger mit fehlendem Engagement zu tun als mit der Wirtschaftsstruktur, der Unternehmenslandschaft und der regionalen Ausbildungskultur.

Infografik: Kernzahlen zur Ausbildung – Ausbildungsquote 3,91 Prozent, 17,1 Prozent ausbildende Betriebe, Stichtag 30. Juni 2025
Kernaussagen in Zahlen: Ausbildungsquote und Anteil ausbildender Betriebe – Stichtag 30.6.2025.

Einordnung: Wo Ausbildung besonders stark verankert ist

Bundesweit wurden zum 30. Juni 2025 insgesamt 1.364.432 Auszubildende gezählt – bei 34.885.488 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten entspricht das einer Ausbildungsquote von 3,91 Prozent.

Von 2.115.566 Betrieben bilden 362.467 aus. Der Anteil ausbildender Betriebe liegt damit bei 17,1 Prozent.

Spitzenreiter und Schlusslichter der Länder

Hohe Ausbildungsquoten: Baden-Württemberg 4,39 Prozent, Schleswig-Holstein 4,30 Prozent, Saarland 4,17 Prozent.

Höchster Anteil ausbildender Betriebe: Saarland 19,0 Prozent; Baden-Württemberg und Niedersachsen jeweils 18,7 Prozent.

Unter dem Bundesschnitt: Berlin mit 2,81 Prozent Ausbildungsquote und 10,1 Prozent ausbildenden Betrieben; Hamburg 3,34 Prozent bzw. 14,1 Prozent; Brandenburg 3,43 Prozent bzw. 13,7 Prozent.

Blick in die Kreise: Mittelstädte vorn

Höchste Ausbildungsquoten: Herne 7,15 Prozent, Freudenstadt 6,03 Prozent, Memmingen 5,69 Prozent.

Hoher Anteil ausbildender Betriebe: Straubing, Waldshut sowie Borken, Steinfurt und Warendorf (je 22–23 Prozent).

Muster: Viele Top-Werte finden sich in mittelstädtischen, industriell geprägten Regionen – nicht in den größten Metropolen.

Warum Großstädte niedriger abschneiden

Großstädte sind stärker von wissensintensiven Dienstleistungen, Verwaltungen, Konzernzentralen und akademisch geprägten Tätigkeiten geprägt – Bereiche, die seltener über klassische Ausbildungsberufe besetzt werden. Niedrige Quoten bedeuten daher nicht geringeres Engagement, sondern andere Strukturen. Dies zeigt sich beispielsweise in Frankfurt am Main 2,49 Prozent, München 2,57 Prozent, Berlin 2,81 Prozent.

Was das für Fachkräftesicherung bedeutet

Ausbildung ist dort besonders sichtbar und stabil, wo Wirtschaftsstruktur, betriebliche Praxis und regionale Ausbildungskultur zusammenspielen.

Mittelständische und industriell geprägte Regionen bleiben zentrale Träger der dualen Ausbildung.

Für Strategien vor Ort reicht der Blick auf die Zahl der Auszubildenden nicht aus. Entscheidend ist, wie viele Betriebe tatsächlich ausbilden, welche Branchen prägen – und wie stark Ausbildung als Teil der regionalen Wirtschaftsentwicklung verstanden und gefördert wird.

Fazit

Regionale Unterschiede in der Ausbildung sind strukturell erklärbar – und gestaltbar. Wer Fachkräfte sichern will, sollte Ausbildungsquote und den Anteil ausbildender Betriebe gemeinsam betrachten und gezielt dort ansetzen, wo Breite und Qualität der Ausbildung gestärkt werden können.

Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Sonderauswertung, Stichtag 30.6.2025.
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