Berufssegmente in Deutschland: Wo produziert, beraten, gepflegt und geforscht wird.

Deutschland arbeitet regional sehr unterschiedlich. In manchen Kreisen prägen Produktionsberufe die Beschäftigung, in anderen dominieren kaufmännische und unternehmensbezogene Dienstleistungen, Gesundheitsberufe oder IT und naturwissenschaftliche Tätigkeiten. Neue Daten zum Stichtag 30. Juni 2025 zeigen, wie stark sich regionale Wirtschaftsprofile unterscheiden – und warum der Blick auf Berufssegmente mehr verrät als reine Beschäftigtenzahlen.

Infografik: Berufssegmente in Deutschland mit Anteilen und regionalen Spitzenwerten, Stichtag 30. Juni 2025
Berufssegmente in Deutschland: Anteile und regionale Spitzenwerte – Stichtag 30.6.2025.

Einordnung: Was Berufssegmente sichtbar machen

Berufssegmente bündeln Berufe zu fünf Tätigkeitsfeldern: Produktionsberufe, personenbezogene Dienstleistungen, kaufmännische und unternehmensbezogene Dienstleistungen, IT und naturwissenschaftliche Berufe sowie sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen.

Sie zeigen nicht nur, wo Menschen arbeiten, sondern auch, welche Tätigkeiten eine Region tragen – und damit, welche Qualifikationen gefragt sind.

Deutschland gesamt (30. Juni 2025)

  • 31,6 % kaufmännische und unternehmensbezogene Dienstleistungen
  • 25,4 % personenbezogene Dienstleistungen
  • 25,1 % Produktionsberufe
  • 13,3 % sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen
  • 4,7 % IT und naturwissenschaftliche Berufe

Regionale Profile: Industrie vs. Dienstleistungen

Industriestark: Thüringen, Baden-Württemberg, Sachsen.

Dienstleistungsstark (kaufmännisch/unternehmensbezogen): Hamburg, Berlin.

Interpretation: Ein hoher Produktionsanteil signalisiert industrielle Wertschöpfung und technische Ausbildungs- und Qualifikationsbedarfe; hohe Dienstleistungsanteile deuten auf betriebswirtschaftliche, administrative und beratungsnahe Kompetenzen.

Kreise im Fokus: Spitzenwerte und Kontraste

Produktionsberufe (Top-Anteile): Dingolfing-Landau 53,1 %, Wolfsburg 49,3 %, Tuttlingen 45,8 %.

Kaufmännisch/unternehmensbezogen (höchste Anteile): Düsseldorf 48,8 % – gefolgt von Hochtaunuskreis, Main-Taunus-Kreis und Frankfurt am Main.

Muster: Industrielle Top-Werte finden sich vor allem in automobil- und fertigungsgeprägten Standorten; Dienstleistungsspitzen in Metropolregionen und Verwaltungs-/Finanzzentren.

Warum das für Fachkräftesicherung zählt

Beschäftigung ist nicht gleich Beschäftigung: Eine Industrieregion hat andere Bedarfe als ein Dienstleistungszentrum.

Chemie- und Forschungsstandorte benötigen andere Qualifikationen als Tourismus- oder Gesundheitsregionen.

Berufssegmente helfen, Bildungs-, Ausbildungs- und Arbeitsmarktstrategien zielgenau auszurichten – von Schul- und Studienangeboten bis zur Weiterbildung in Betrieben.

Fazit

Wer regionale Wirtschaft verstehen und Fachkräfte sichern will, sollte über Branchenstatistiken hinausblicken. Berufssegmente machen sichtbar, welche Tätigkeiten die regionale Wertschöpfung tragen – und wo sich Qualifikations- und Personalbedarfe künftig besonders stark verändern.

Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Sonderauswertung, Stichtag 30.6.2025. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort.
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